RENATURIERUNG DER NISTERAUE – RÜCKMELDUNGEN AUS DER BEVÖLKERUNG

Im Zeitraum vom 19.03. bis 13.04. hatten Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Rückmeldungen zu den veröffentlichten Projektunterlagen zur Renaturierung der Nisteraue unterhalb von Marienstatt zu geben, Fragen zu stellen und Hinweise einzubringen.

Die eingegangenen Beiträge wurden gesammelt und ausgewertet. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dazu,

  • Informationen verständlicher aufzubereiten, 
  • die weitere Planung, Kommunikation und Umsetzung zu reflektieren und sinnvoll zu gestalten
  • Perspektiven aus der Bevölkerung einzubeziehen sowie 
  • Sorgen und Unsicherheiten besser zu verstehen


Was ist zurückgemeldet worden?

Der Fragebogen wurde von 161 Personen besucht, abgeschlossen haben die Befragung 39 Personen. Ergänzend haben uns weitere Hinweise per E-Mail, postalisch und über andere Kanäle erreicht.

Ein zentrales Ergebnis:
Das Interesse am Projekt ist groß – gleichzeitig gehen die Einschätzungen zu einzelnen Aspekten teilweise deutlich auseinander.

Uns ist wichtig, diese unterschiedlichen Perspektiven sichtbar zu machen und transparent einzuordnen. 


Zentrale Themen aus den Rückmeldungen

Die Beiträge aus der Bevölkerung lassen sich in fünf Themenbereiche bündeln:

1. Kommunikation und Transparenz

Es besteht der Wunsch nach verständlicher, kontinuierlicher und frühzeitiger Kommunikation sowie nach weiteren Austauschformaten. Die bisherigen Informations- und Beteiligungsangebote sind auf der einen Seite als sehr umfangreich und frühzeitig, auf der anderen Seite als zu spät und nicht ausreichend bewertet worden. 

2. Planung und Umsetzung der Maßnahmen

Die Auswahl der Projektfläche und konkrete Maßnahmen werden unterschiedlich bewertet. Während einige die Planung begrüßen, äußern andere hierzu Fragen.

3. Ziele, Wirkung und Kontrolle

Die Ziele des Projekts – Natur- und Klimaschutz – sowie die erwarteten ökologischen Wirkungen werden grundsätzlich unterstützt. Es gibt Fragen zur konkreten Entwicklung der Fläche, zum Zeitpunkt sichtbarer Veränderungen sowie zum Monitoring und zur Erfolgskontrolle.

4. Naherholung und Nutzung

Die Bedeutung des Gebiets für die Naherholung und als touristischer Anziehungspunkt wird hervorgehoben. Die mögliche Veränderung des Landschaftsbildes sowie die zukünftige Nutzung für die Naherholung werden unterschiedlich eingeschätzt. Genannt wurden unter anderem Wünsche nach Besucherlenkung, Erhalt der Erlebbarkeit und Möglichkeiten zur Mitwirkung.

5. Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven

Weitere Rückmeldungen betreffen unter anderem Themen wie Finanzierung, den Umgang mit invasiven Arten oder Prädation sowie langfristige Perspektiven für das Gebiet.


Was nehmen wir aus den Rückmeldungen mit?

Die Rückmeldungen zeigen:

  • Es besteht ein hohes Interesse am Projekt und an seiner weiteren Entwicklung.  
  • Neben Zustimmung gibt es auch kritische Fragen und konkrete Bedenken. 
  • Der Wunsch nach transparenter Information und nachvollziehbaren Entscheidungen ist groß. 

Diese Hinweise fließen in die weitere Projektbearbeitung ein. Insbesondere werden

  • Informationsangebote weiterentwickelt, 
  • die Perspektive der Besucherlenkung und Naherholung vertieft und 
  • die direkte und transparente Kommunikation verbessert. 


Wie geht es weiter?

Die eingegangenen Fragen und Hinweise wurden geprüft und aufgearbeitet.
Eine ausführliche Beantwortung zentraler Fragestellungen entsprechend der Themenblöcke folgt:

Kommunikation und Transparenz

Die Projektentwicklung ist schrittweise verlaufen – von der ersten Projektidee, über fachliche Überlegungen bis zur konkreten Planung.

Seit 2024 wurden zunächst Fachbehörden und beteiligte Institutionen eingebunden. Mit zunehmendem Planungsstand wurden die Bereitstellung der Informationen schrittweise erweitert und an Anlieger, Gemeinden, lokale Akteursgruppen und zuletzt öffentlich herangetragen.

Während einige die Beteiligung als sehr früh und sehr umfassend empfinden, hätten sich andere eine noch frühere Einbindung gewünscht.

Für den weiteren Verlauf ist daher eine kontinuierliche, transparente und gut verständliche Kommunikation vorgesehen.

2024

Februar - Erster Flächenbesuch Forstamt Hachenburg und Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz (SNU)

April - Zweiter Flächenbesuch Oberste Wasserbehörde, Verbandsgemeinde Hachenburg, Forstamt, SNU

20 ha artenarmes Grünland und ein tief in die Sohle eingeschnittenes begradigtes Fließgewässer in Landeseigentum - Was könnte hier entstehen?
Sommer 2024: Entwicklung einer Projektidee durch FachleuteDie Wiederherstellung der natürlichen Auen- und Fließgewässerdynamik gemäß der Ziele des FFH-Gebiets und der Wasserrahmenrichtlinie
Seit Herbst 2024: Erstgespräche mit Anliegern, Behörden, Gemeinden und lokalen AkteurenVorstellung der Projektidee zur Renaturierung der Nisteraue
2025 
Frühjahr 2025: Erster Zeitungsartikel Ankündigung der Projektidee 
Sommer 2025: Beauftragung und Durchführung der Objektplanung “Renaturierung der Nisteraue unterhalb Kloster Marienstatt”Ist die Projektidee überhaupt realisierbar? (Datenerhebung, Variantenauswahl, Planung und Abstimmung mit Fachbehörden)
Herbst 2025: Vorstellen der Fachplanung bei Anliegern und weiteren AkteursgruppenFundierte Ergebnisse werden vorgestellt und diskutiert
2026
Beginn KommunikationsprojektBreite Vorstellung der Planung und des Projekts, Beginn einer breiten Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit rund um die Bedeutung naturnaher Auen in Klima- und Biodiversitätskrise
Frühjahr 2026: Abschluss der Fachplanung, Beantragung der Fördermittel für die Projektumsetzung 
2027/2028
Herbst/Winter: Voraussichtliche MaßnahmenumsetzungBegleitet durch Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit sowie ein umfangreiches Monitoring

Die Verantwortung für die Entwicklung der Flächen liegt beim Land und bei Landesforsten Rheinland-Pfalz. Dazu gehört auch die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben, insbesondere im Zusammenhang mit Natur- und Gewässerschutz (z. B. im FFH-Gebiet Nister und Kroppacher Schweiz sowie im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie oder der Wiederherstellungsverordnung).

Hinweise aus der Bevölkerung werden aufgenommen und fließen – soweit fachlich möglich – in die konkrete Ausgestaltung des Projekts ein.

So wurden beispielsweise:

  • Planungsunterlagen auf Grundlage von Rückmeldungen fachlich ergänzt und vertieft 
  • Alternative Vorschläge geprüft 
  • Der Projektzeitplan angepasst, um mehr Raum für Information und Austausch zu schaffen

Für das Projekt ist eine mehrjährige Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit vorgesehen – vor, während und nach der Umsetzung der Maßnahmen.

Geplant ist ein vielfältiges Angebot, das unterschiedliche Interessen anspricht. Dazu gehören unter anderem:

  • Informationsveranstaltungen und Vorträge 
  • Exkursionen in die Nisteraue und zu vergleichbaren Projekten 
  • Möglichkeiten zum Mitmachen, z. B. bei Pflegeeinsätzen oder im Monitoring 

Ziel ist es, die Entwicklung der Aue verständlich und erlebbar zu machen und gleichzeitig Raum für Austausch zu bieten.

Hinweise und Wünsche aus der Bevölkerung für weitere Veranstaltungen werden dabei gerne aufgenommen und – soweit möglich – in die weitere Planung der Angebote integriert.

Eine Übersicht aktueller Veranstaltungen und Angebote finden Sie hier.

Regionale Akteure mit Erfahrung an der Nister wurden bereits frühzeitig in die Projektentwicklung und Fachplanung einbezogen.

Dazu gehört neben den Umweltverbänden, diversen Expertinnen und Experten auch die Arge Nister und die Bachmuschelzucht, die sich seit vielen Jahren mit dem Gewässer beschäftigen. Ihre Kenntnisse der Region und des Ökosystems sind ein wichtiger Bestandteil der Planung.

Auch für den weiteren Projektverlauf ist vorgesehen, die Zusammenarbeit fortzuführen und den Austausch mit regional engagierten Akteursgruppen weiter auszubauen – ob im Monitoring, der Maßnahmenumsetzung oder der Öffentlichkeitsarbeit.

Planung und Umsetzung der Maßnahme

Die Nister ist verschiedenen Belastungen ausgesetzt – so etwa Nährstoffeinträge, Drainierungen, begradigte Abschnitte, Querbauwerke oder fehlende Uferstrukturen. Es ist richtig, dass an vielen Stellen Handlungsbedarf besteht. 

Das vorliegende Projekt soll und kann nicht alle Probleme der Nister lösen. Die Nister ist 63,8 km lang, der Projektabschnitt bearbeitet 1,6 km und verlängert den Verlauf auf 2,2 km. Das Projekt ist ein Baustein, um an der Nister einen besseren Wasserrückhalt und mehr Funktionen des Ökosystems zu reaktivieren. Um die gesamte Nister in einen guten Zustand zu bringen, sind zahlreiche weitere Maßnahmen erforderlich.

Diese Fläche wurde ausgewählt, weil hier besondere Voraussetzungen zusammenkommen:

  • Die Flächen befinden sich im Eigentum des Landes und sind damit verfügbar 
  • Es kann eine größere, zusammenhängende Fläche entwickelt werden 
  • Natürliche Prozesse können wieder in Gang gesetzt werden, die langfristig wirken 

Durch die Größe der Fläche können Entwicklungen angestoßen werden, die über den direkten Bereich hinaus positive Effektehaben können – etwa für den Wasserhaushalt, die ökologische Stabilität und die Artenvielfalt.

Gleichzeitig endet die Betrachtung nicht an der Projektgrenze:
Im Rahmen des Projekts wird auch die Entwicklung im Umfeld beobachtet, und Hinweise aus der Bevölkerung – etwa zu weiteren Handlungsbedarfen oder möglichen Maßnahmen flussauf- und flussabwärts – werden aufgenommen und fachlich geprüft.

Wenn Sie konkrete Ideen für weitere mögliche Maßnahmen haben, können Sie sich gerne an uns wenden. Wir prüfen diese und leiten sie – je nach Zuständigkeit – an die entsprechenden Stellen weiter. 

Nein. Weder durch veränderte Wasserstände noch durch mögliche Rückstaueffekte oder eine Stabilisierung des Grundwassers sind das Kloster, die Basilika, die historische Brücke, die Wasserkraftanlage oder der Historische Friedhof betroffen.

Die möglichen Auswirkungen auf bestehende Bauwerke wurden im Rahmen der Planung umfassend geprüft. Darunter waren hydrologische Untersuchungen, in denen unter anderem Wasserstände, Fließverhalten und Grundwasserentwicklung betrachtet wurden. Auch die Lage zentraler Elemente wie der Einleitung des Wassers in die Aue wurde darauf abgestimmt.

Im überwiegenden Teil des Jahres und über den Großteil des unbeschatteten Abschnitts sind durchschnittlich geringe Erwärmungen zu erwarten. Nach den ausführlichen Planungen wird sich die Temperaturerhöhung gegenüber einem schattigen Szenario bei sehr ungünstigen Bedingungen (sehr geringer Abfluss, vollsonniger Tag) am untersten Ende des unbeschatteten Abschnitts auf einen Bereich von maximal ~ +2,3 °C beschränken. Dabei wirkt sich günstig aus, dass die Verweildauer des Wassers im besonnten Abschnitt aufgrund des Gefälles nicht sehr hoch ist und es keine sonnenexponierten aufgestauten Bereiche gibt. Zudem fließt die Nister anschließend wieder in einen stark beschatteten Abschnitt weiter, so dass mit einer schnellen Abkühlung gerechnet werden kann. 

Ökologisch entscheidend ist aber nicht nur die Erhöhung der Temperatur, sondern welche tatsächlichen Temperaturen im Fluss erreicht werden. Der Abschnitt oberhalb des neuen Gerinnes ist über weite Strecken beschattet. Die Nister fließt an dieser Stelle ein, ohne durch die Sonne erwärmt worden zu sein. Die lokale Fischgemeinschaft weist nur wenige Arten mit einer hohen Empfindlichkeit gegenüber hohen Wassertemperaturen auf (Äsche, Bachforelle, Lachs), die alle sehr mobil sind und für sie ungünstigen Bedingungen leicht über relativ kurze Distanzen ausweichen können.

Ein zweiter Aspekt ist, dass bei höheren Wassertemperaturen die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser abnimmt. Da jedoch im unbeschatteten Abschnitt an vielen Stellen Einbauten (Steinblöcke, Totholz) geplant sind, die zu Turbulenzen und einer Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff führen, sind keine Sauerstoffdefizite im Abschnitt zu erwarten. Zudem sollte bei hoher Sonneneinstrahlung auch eine erhöhte pflanzliche Photosyntheserate zu erwarten sein, die das Wasser zusätzlich mit Sauerstoff anreichert.

Der Bodenschutz wurde von Beginn an mitberücksichtigt und in die Planung integriert.

Es ist für eine erfolgreiche Renaturierung sehr wichtig, die lokalen Bodeneigenschaften bei der Planung und Bauausführung zu berücksichtigen. Das gilt besonders in der Flussaue, in der die Bodeneigenschaften auch nach Abschluss der baulichen Maßnahmen zur Renaturierung durch die Abflussdynamik der Nister und Anhebung der Grundwasserstände stark beeinflusst werden. Deshalb mussten bei der Maßnahmenplanung von Beginn an bodenkundliche Aspekte mitberücksichtigt werden.  

Im Zuge der Planung wurden über eine Baugrunduntersuchung der Bodenaufbau (Schichtung, Horizontdicken, Grundwasserspiegel) ermittelt und eine potentielle Belastung des Bodens im Plangebiet untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass der Boden nicht nennenswert belastet ist und der Bodenaufbau relativ homogen ist. Deshalb kann erwartet werden kann, dass im Bauablauf die unterschiedlichen Bodenschichten gut voneinander abzugrenzen sind und keine nennenswerten Vermischungen der Böden aus verschiedenen Horizonten zu befürchten sind. Durch zusätzliche Bodensondierungen an > 40 Stellen wurden diese Ergebnisse bestätigt. Es ist nicht vorgesehen, Boden von außerhalb des Plangebiets in der Fläche einzubringen.

Um vermeidbare Verdichtungen des Bodens zu verhindern und potentiell unerwünschte Effekte temporärer Baustraßen und Furten auszuschließen, wurden entsprechende Maßnahmen vorgesehen. Eine Konkretisierung der Einzelmaßnahmen zur Vermeidung von unnötigen negativen Beeinflussungen des Bodens werden nach Plangenehmigung in der Phase der Ausführungsplanung erfolgen. 

Vor diesem Hintergrund wurde von der Genehmigungsbehörde kein separates Bodenschutzkonzept als Bestandteil der Genehmigungsplanung eingefordert. Ob dennoch eine Bodenkundliche Baubegleitung (BBB) erforderlich sein werden, steht derzeit noch nicht fest. Sollten die Genehmigungsbehörden weitergehende Maßnahmen zum Bodenschutz, wie z.B. eine BBB, für notwendig erachten, wird dies als Auflage bzw. Nebenbestimmung in der Plangenehmigung festgelegt werden.

Eine explizite Kartierung von Fischlaichhabitaten im Plangebiet erfolgte nicht und war aus fachlichen Gründen auch nicht erforderlich. Der überwiegende Teil der Fischartengemeinschaft (> 90 % des natürlichen Artenspektrums) nutzt überströmte Kiesbänke zum ablaichen (u.a. Lachs, Nase, Äsche, Barbe, Bachneunauge), die im Plangebiet nur in geringer Menge und räumlicher Ausdehnung vorhanden sind. Lokal können diese wenigen Bereiche aber von hoher Bedeutung sein, weil der Flussabschnitt außerhalb des Plangebiets flussaufwärts und flussabwärts in seiner linearen Durchgängigkeit eingeschränkt ist und die Fische daher in ihrer Laichplatzwahl stark eingeschränkt sind. 

Insbesondere der Anteil überströmten Kieses wird nach der Umsetzung der Renaturierungsmaßahmen um ein Vielfaches erhöht sein, so dass sich die Reproduktionsbedingungen für die Fische erheblich verbessern werden. Die Groppe nutzt vor allem Höhlen unter Steinen und Totholz für ihre Eiablage, und auch deren Laichhabitate werden durch die geplanten Maßnahmen deutlich zunehmen.

Die Baumaßnahmen werden zudem außerhalb der Laichzeiten nahezu aller im Gebiet vorkommenden Fischarten umgesetzt, lediglich die Bachforelle, die natürlicherweise nur einen relativ kleinen Anteil an der Fischgemeinschaft ausmacht, und der Atlantische Lachs, der vereinzelt auftreten könnte, könnten potentiell während ihrer Laichzeit betroffen werden. Über die Ökologische Baubegleitung (ÖBB) werden Maßnahmen unnötige Beeinträchtigungen ausgeschlossen. Die Schutzmaßnahmen werden in der auf die Plangenehmigung folgenden Ausführungsplanung festgelegt. Beide Arten werden nach Maßnahmenumsetzung ein wesentlich verbessertes Angebot an Laichhabitaten vorfinden.

Bezüglich der Rolle des Planungsabschnitts für die Bachmuschel wurden keine eigenen Untersuchungen vorgenommen, da hier bereits eine starke fachliche Expertise durch das Muschelprojekt an der Nister vorhanden ist. Es wurde frühzeitig der fachliche Austausch zwischen den Fachplanern und Verantwortlichen des Muschelprojekts gesucht und die Bedeutung des Planungsabschnitts für die Bachmuschelbestände erörtert, dabei wurden keine bekannten Vorkommen im Abschnitt benannt. Dennoch wird im Rahmen der ÖBB auch nach eventuellen Vorkommen gesucht werden. Damit wird sichergestellt, dass keine bislang unbekannten Bachmuschelbestände innerhalb des Plangebiets negativ beeinflusst werden.

Es ist vorgesehen, die Maßnahmenumsetzung dergestalt zu optimieren, dass die neu entstehenden oder veränderten Gewässerabschnitte nach Möglichkeit als Bachmuschelhabitate optimiert werden können. Daher soll die fachliche Expertise der Muschel-Spezialistinnen und Spezialisten einbezogen werden. Es soll erreicht werden, dass die Habitatausstattung für die Bachmuschel nach Maßnahmenumsetzung deutlich verbessert werden kann.

Beide Ansätze – extensives Grünland und natürliche Auenentwicklung – sind wertvoll, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. In der Nisteraue bietet sich die besondere Gelegenheit, Raum für natürliche Gewässer- und Auenprozesse zu schaffen.

Die Flächen liegen direkt am Gewässer, sind zusammenhängend und bieten damit die sehr seltene Möglichkeit, eine Auenlandschaft zu entwickeln.

Eine solche Entwicklung erfordert, dass natürliche Prozesse zugelassen werden – dazu gehören regelmäßige Überflutungen, wechselnde Wasserstände und eine dynamische Entwicklung der Fläche. Unter diesen Bedingungen ist eine landwirtschaftliche Nutzung nicht verlässlich möglich.

Die Fläche soll sich weitgehend eigendynamisch zu einer vielfältigen Auenlandschaft entwickeln – mit Feuchtbereichen, strukturreichen Uferzonen und langfristig auch Auwald.

Dies ist derzeit in der Abstimmung. Als Präventionsmaßnahme hinsichtlich Beschattung, Neophyten, Prädatoren kann dies punktuell eine sinnvolle Ergänzung sein.  

Ziele, Wirkung, Kontrolle

Es gibt viele Wirkungen, die sehr klar eintreten werden. Der Retentionsraum wird vergrößert, was unmittelbar zu einem besseren Hochwasserschutz führt. Es werden zahlreiche und diverse Lebensräume geschaffen, die in diesem Nisterabschnitt bisher nicht vorhanden sind. Der Grundwasserspiegel wird ansteigen, das neue Nisterbett wird sich ausformen und sich stetig verändern. Die Häufigkeit lokaler Ausuferungen wird zunächst zunehmen, dann wieder seltener werden. Durch die Nutzungsänderung wird die CO2-Fixierung in der Fläche zunehmen, es wird also mehr Kohlenstoff gebunden und der Atmosphäre entzogen. Das Wasser wird in den ersten beiden Jahren in manchen Abschnitten bei starker Sonneneinstrahlung stärker erwärmen, dieser Effekt wird mit der Zeit abnehmen. Es wird im oberen Abschnitt des Gebiets zu verstärkter Sedimentation kommen, im unteren zu einer verstärkten Erosion.

Die äußerst umfangreiche Planung wurde erstellt, um Rückschläge auszuschließen oder die Eintrittswahrscheinlichkeit deutlich zu senken. Insofern werden keine Rückschläge erwartet. Allerdings gibt es in zwei thematischen Feldern die Möglichkeit, dass unerwünschte Entwicklungen eintreten könnten. Im hydrologischen Bereich gibt es ein sehr geringes Risiko, dass ein außergewöhnlich stark ausgeprägtes Hochwasser in den ersten Jahren nach Maßnahmenumsetzung den Verlauf der Nister so verlagern könnte, dass sie teilweise oder ganz zurück in ihr altes Bett springt. Mit zunehmender Ausformung des neuen Bettes und zunehmender Gehölzsukzession in der Aue wird diese sehr geringe Wahrscheinlichkeit über die Zeit immer weiter abnehmen.

Im Bereich der ökologischen Interaktionen gibt es ebenfalls Potenzial, dass Fehlentwicklungen auftreten könnten, z.B. insbesondere durch invasive Arten. Um dies zu verhindern, ist ein umfassendes Monitoringprogramm vorgestehen, um Fehlentwicklungen frühzeitig festzustellen, und es sind Gelder für ggf. notwendige Managementmaßnahmen eingestellt. 

Die Ziele einer Renaturierung – also die Wiederherstellung einer natürlichen Auenlandschaft mit ihren typischen Funktionen und Lebensräumen – werden schrittweise über viele Jahre hinweg erreicht. Dabei setzen einige Wirkungen sehr schnell ein, während andere deutlich mehr Zeit brauchen.

Folgende Beispiele dienen der Orientierung: 

1. WASSERRÜCKHALT/HOCHWASSERVORSORGE

Wirkung der Renaturierung: unmittelbar, nimmt mit der Zeit weiter zu

  • Hochwasserspitzen werden abgeflacht und zeitlich verzögert

KURZFRISTIG

  • Die Verbindung des Gewässers mit seiner Aue sorgt sofort nach der Maßnahme dafür, dass sich das Wasser wieder in die Breite der Aue ausdehnen kann
  • Statt schnell durch ein begradigtes Bett abzufließen, wird es gebremst, verteilt und gespeichert 
  • Durch die neue Gewässerstruktur (z. B. Mäander, Nebenarme) verlängert sich der Fließweg – das Wasser bleibt länger im System

MITTEL-/LANGFRISTIG 

  • Mit der Zeit verstärkt sich dieser Effekt:

    Pflanzen wachsen, durchwurzeln den Boden und lockern ihn. Dadurch entstehen mehr Hohlräume → mehr Wasserspeicherfähigkeit 


2. GRUNDWASSER & WASSERSPEICHER

Wirkung der Renaturierung: unmittelbar, nimmt mit der Zeit weiter zu

  • Ein Teil des Wassers versickert in den Boden und speist das Grundwasser - es entsteht eine Schwammlandschaft, die den Wasserhaushalt stabilisiert, da sie Wasserrückhalt als auch Wasserspende bedeutet. 

KURZFRISTIG

  • Wasser fließt durch die Aue, hat Zeit und Raum zu versickern (Hochwasser)
  • Boden speichert Wasser, kann es langsam abgeben (Trockenzeiten

    → stabilere Wasserstände in Trockenzeiten 

    → bessere Wasserversorgung für Pflanzen und Umgebung

    → Kühlung der Landschaft & Mikroklima 

    • Mehr Wasser in Boden und Vegetation = mehr Verdunstung
    • Pflanzen spenden Schatten und kühlen zusätzlich 

MITTEL-/LANGFRISTIG

  • Deutliche Zunahme mit zunehmender Vegetation und Verbesserung der Bodenstruktur (nach einigen Jahren) 
  • Je mehr Pflanzen, desto stärker der Kühleffekt – besonders wichtig in heißen und trockenen Perioden


3. SELBSTREINIGUNG WASSER UND LUFT

Wirkung der Renaturierung: unmittelbar, nimmt mit der Zeit weiter zu

  • Die Aue als natürlicher Filter für Wasser und Luft 

KURZFRISTIG

  • Wasser: Boden und Wurzeln halten Nährstoffe und Schadstoffe zurück, Mikroorganismen bauen Stoffe ab 
  • Luft: Blätter filtern Staub und Schadstoffe aus der Luft 

MITTEL-/LANGFRISTIG

  • zunehmende Wirkung mit wachsender Vegetation & Entwicklung der Bodenstruktur 


4. CO2-SPEICHER 

Wirkung der Renaturierung: unmittelbar, nimmt mit der Zeit weiter zu

  • Pflanzen nehmen CO₂ aus der Atmosphäre auf und speichern es als Biomasse (Holz, Blätter, Wurzeln) 
  • Ein Teil des Kohlenstoffs wird im Boden als Humus langfristig gebunden 
  • Feuchte Böden können besonders viel Kohlenstoff speichern 

KURZFRISTIG

  • Ab dem ersten Pflanzenwachstum 

MITTEL-/LANGFRISTIG

  • Mit zunehmendem Pflanzenwachstum, deutliche Steigerung der Speicherleistung nach einigen Jahren bis Jahrzehnten 
  • langfristige Kohlenstoffspeicher (z.B. Auwälder, Böden): über Jahrzehnte 

Hinweis: Auch aktuell binden die Pflanzen in der Aue CO2. Das wird durch Abweiden bzw. Mahd und anschließende Verfütterung schnell über Stoffwechsel und den Abbau der Stoffwechselendprodukte wieder freigesetzt. Nach Nutzungsaufgabe akkumuliert der Kohlenstoff in der pflanzlichen Biomasse und wird z.B. in holzigen Pflanzen Jahrzehnte bis Jahrhunderte festgelegt. 


5. LEBENSRÄUME & ARTENVIELFALT (langfristig)

Wirkung der Renaturierung: unmittelbar, nimmt mit der Zeit weiter zu

  • Es entsteht ein Mosaik an vielfältigen Lebensräumen
  • Natürliche Auensysteme zählen zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas

KURZFRISTIG

  • Unmittelbar nach Maßnahmenumsetzung entstehen Lebensräume, die es vorher nicht gab: Flachwasserzonen, Altwasser, Altarme, Kiesbänke
  • Besiedlung durch Arten (Pflanzen/Tiere) beginnt unmittelbar

    (abhängig von Vorkommen der Arten in der Umgebung, werden vor allem Pionierarten/-lebensräume, die in natürlichen Auen sehr typisch sind, die Flächen sehr schnell besiedeln (voraussichtlich bereits nach wenigen Monaten deutlich sichtbar.) 

MITTEL-/LANGFRISTIG

  • Nicht alle Lebensräume werden sofort besiedelt
  • Arten müssen die Flächen erst „finden“ – das kann dauern 
  • deutlich höhere Artenvielfalt: nach 5–15 Jahren 
  • stabile, naturnahe Ökosysteme: nach 20+ Jahren (z.B. ausgewachsener Auwald)

Die lokale Fließ- und Strömungsgeschwindigkeit wird durch unterschiedliche Parameter wie Struktur des Gewässers, Rauigkeit, Gefälle und Abflussmenge beeinflusst. Während in einer natürlichen Aue die Fließgeschwindigkeit durch Mäaander und Strukturvielfalt gebremst wird, kann das in einem begradigten Fließgewässer nicht geschehen. Vereinfachtes Beispiel: Wenn oben das Wasser über eine breite Fläche fließt und es unten in einen Kanal kommt, fließt es oben langsam und unten im Kanal wieder schnell ab. Das heißt, die Fließgeschwindigkeit und Strömungsgeschwindigkeit unterhalb der Maßnahmenfläche bleibt trotz der Renaturierung gleich.

Es kommt auch ungefähr die gleiche Menge Wasser an, jedoch nicht wie bisher auf einmal sondern über einen längeren Zeitraum verteilt, denn die Schwammlandschaft, die in der Aue entsteht bremst durch die Fläche, Flusslänge und Versickerungsprozesse das Wasser ab. D.h. unterhalb werden Abflussspitzen abgeflacht, der Abfluss wird zeitlich gestreckt. Dadurch sollten Situationen mit sehr niedrigen Abflüssen unterhalb der Renaturierung auch seltener bzw. kürzer werden. In Trockenperioden wird in Astert mehr Wasser in der Nister sein

In einem begradigten Flusslauf fehlt eine Strukturvielfalt. In einem tiefen und geraden Einbettgerinne wird Totholz auf dem schnellsten Weg abtransportiert und bleibt oft erst an der nächsten Engstelle, z.B. einer Brücke liegen. In einer natürlichen Aue gibt es eine hohe Strukturvielfalt, Kiesbänke, Bäume, Sträucher, Prall- und Gleithänge, Mäander und Mehrbettgerinne. Totholz hat daher viele „Hindernisse“ und bleibt meist schon an der nächsten Strukturliegen

In den ersten Jahrzehnten ist das Plangebiet eher als eine „Senke“ für Totholz einzuschätzen als als Totholzquelle. Im Gebiet des Initialgerinnes wachsen derzeit gar keine Bäume, bis sich dort Bäume von relevanter Größe entwickeln, die in die Nister gelangen könnten, vergehen viele Jahre. Gleichzeitig ufert die Nister im Bereich des neuen Gerinnes schnell aus und kann so von oben eingeschwemmtes Totholz in der Aue ablagern. Weiterhin sorgen im Flussbett eingebaute Strukturen ebenfalls dafür, das Totholz innerhalb des Plangebiets hängen bleibt.

Diese Entwicklungen werden in den ersten 15 Jahren nach Maßnahmenumsetzung im Rahmen eines Monitorings beobachtet, sodass bei Bedarf eingegriffen werden kann. Falls sich in einigen Jahrzehnten zeigen sollte, dass ein erhöhter Eintrag stattfindet und potentiell Probleme bereiten könnte, dann gibt es gute Ansätze, um Risiken zu minimieren. An gut zugänglicher Stelle lässt sich ein Treibholzfang einrichten, der im Rahmen der Gewässerunterhaltung gepflegt wird.

Der Eintrag an Totholz wird auch ohne die Renaturierungvoraussichtlich zunehmen: die Nister als FFH-Gebiet mit dem geschützten Lebensraumtyp der Erlen- und Eschenwälder und Weicholzauenwälder (LRT 91E0) wird mit der natürlichen Alterung der Bäume zunehmend Totholz erzeugen. 

Aktuell frisst sich die Nister immer tiefer in das Bachbett ein und entwässert immer schneller. Das gilt sowohl für das Fließgewässer wie auch den Grundwasserkörper. Die Nister verläuft aktuell unterhalb der Aue und wirkt wie ein großer Entwässerungsgraben

Mit der Maßnahmenumsetzung werden sich der Grundwasserstand in der Aue und der Wasserstand der Nister annähern. Aue und Nister werden funktional wieder aneinandergekoppelt und unterstützen ihren jeweiligen Wasserhaushalt. In der Aue wird der Grundwasserstand ansteigen, u.a. durch eine verringerte Entwässerung der Gräben am linken Talrand, die Verschlüsse des derzeitigen Nisterbetts und damit insgesamt eine geringere dränierende Wirkung der Nister. 

Selbst direkt nach der Maßnahmenumsetzung ist bei niedrigen Abflusssituationen kein ausgeprägtes Gefälle vom Wasserspiegel der Nister hin zum Grundwasserspiegel zu erwarten. In diesen Situationen würde eher Wasser aus der Aue in die Nister einfließen und ihre Wassermenge unterstützen. Bei hohen Wasserspiegeln der Nister würde hingegen ein Teil des Wassers in die Aue drängen und eine Reservoirbildung für trockenere Zeiten unterstützen. 

Nein, das Risiko sinkt, denn durch die Renaturierungsmaßnahme wird der Wasserhaushalt stabilisiert. Es entsteht eine Schwammlandschaft, die sowohl Wasserrückhalt als auch Wasserspende bedeutet. Die natürliche Auenlandschaft mildert auf der einen Seite Hochwasser/Sturzfluten ab und auf der anderen Seite stützt sie bei Niedrigwasser und Dürrezeiten, da es kontrolliert Wasser aus dem Bodenspeicher abgeben kann. 

Die heutige Landschaft wurde von unseren Vorfahren geprägt, etwa durch Begradigung des Gewässers, Entwässerung und intensive Nutzung der Flächen. Viele dieser Eingriffe waren in der Vergangenheit sinnvoll und notwendig. Eine natürliche Landschaft wurde urbar gemacht. Heute zeigen sich jedoch auch ihre Folgen, zum Beispiel für den Wasserhaushalt, die ökologische Vielfalt und die Widerstandsfähigkeit der Landschaft gegenüber Klimaveränderungen.

Die Strukturen zur Entwässerung sind sehr effektiv und wirken bis heute. Der schnelle Abfluss des Wassers löst bei Starkregen im weiteren Verlauf Hochwasser aus, das sich immer weiter kumuliert. Die Extreme nehmen zu und werden häufiger. Neben den Zeiten mit zu viel Wasser, kommt es zunehmend zu Zeiten mit zu wenig Wasser. Bei zu geringer Wasserverfügbarkeit fehlt den Menschen und den Ökosystemen das Wasser. 

Ziel der Renaturierung ist es daher, natürliche Prozesse wieder stärker zuzulassen, ohne die Geschichte der Landschaft auszublenden, sondern die Aue so zu entwickeln, dass sie heutigen und zukünftigen Anforderungen besser gerecht wird.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine bessere Wasserrückhaltung in der Fläche 
  • stabilere ökologische Strukturen 
  • mehr Anpassungsfähigkeit an Klimaveränderungen 

Die Veränderung ist somit Teil einer langfristigen Vorsorge – für Natur, Landschaft und letztlich auch für die Menschen, die sie nutzen und erleben.

Bei natürlich stattfindenden Prozessen, wie der VerlandungvonTümpeln, ist keine Pflege vorgesehen. Es wird erwartet, dass durch die dynamischen Prozesse in der Aue neue Tümpel entstehen, so dass über die Zeit ein Nebeneinander von Tümpeln in unterschiedlichen Sukzessionsstadien entsteht, das vielen Arten Lebensmöglichkeiten bietet. Sollte dies wider Erwarten nicht eintreten würden wir es vorziehen, zusätzliche Tümpel neu anzulegen als in bestehende einzugreifen.

Die zu erwartenden Temperaturerhöhungen durch die Renaturierung beschränken sich auf eine kurze Gewässerstrecke (siehe oben). Aus diesem Abschnitt können Fische leicht ausschwimmen und in kurzer Distanz kühlere Gewässerbereich erreichen. 

Die Vegetationsentwicklungwird im Rahmen eines Monitorings über viele Jahre beobachtet, und es sind Gelder für Pflegemaßnahmen eingestellt für den Fall, dass massive Fehlentwicklungen zu befürchten sind. Hier ist besonders in den ersten Jahren nach Maßnahmenumsetzung wichtig, zu reagieren.

Um das Management der Kormorane gibt es landesweit und auch an der Nister immer wieder Auseinandersetzungen und unterschieliche Auffassungen. Es gibt sogar eine eigene Landesverordnung zur kontrollierten Entwicklung der Kormoranbestände. Es ist nicht Aufgabe des Projektes den Konflikt um die Kormoranbekämpfung zu lösen, oder eine Position hierzu zu beziehen. Es ist Aufgabe des ProjektesEntwicklungen zu dokumentieren, um bei Bedarf handeln zu können. 

In dem über die ersten ca. 2 Jahre unbeschatteten Abschnitt des neuen Nisterverlaufs ist damit zu rechnen, dass er von Prädatoren genutzt wird. Das kann sich auf die Fischbestände im Plangebiet auswirken - auch weil die Durchgängigkeit oberhalb und unterhalb der Plangebiets eingeschränkt ist und die Populationen Verluste nicht ohne Weiteres durch Besiedlung aus angrenzenden Abschnitten ausgleichen können. 

Daher werden Maßnahmen ergriffen, um die Resilienz der Fischpopulationen zu stärken: über die Verbesserung der Habitate, die Erhöhung der Reproduktion und über bessere Flucht- und Versteckmöglichkeiten für die Fische.

Die Habitatausstattung für die natürliche Reproduktion wird deutlich verbessert. Viele Fischarten haben ein erhebliches reproduktives Potential (mehrere Tausend bis mehrere Zehntausend Eier je Weibchen), das aber in menschlich überprägten Flussabschnitten kaum zum Tragen kommt, oft weil die Qualität des Kiesbetts (in dem sich die Eier entwickeln) eingeschränkt ist und vor allem weil Flachwasserzonen als Aufwuchshabitate in begradigten und eingetieften Flüssen fehlen. Die Renaturierungsmaßnahmen führen zu einer starken Verbesserung der Voraussetzungen für die Reproduktion der Fische, so dass Verluste durch Prädatoren vom Fischbestand besser verkraftet werden sollten.

Weiterhin werden strukturverbessernde Maßnahmen, wie der Einbau von Totholzelementen und anderen Unterständen, im unbeschatteten Gerinne erfolgen. Dadurch soll es den Fischen leichter ermöglicht werden, der Prädation erfolgreich zu entgehen. Voraussichtlich wird es in der Ausführungsplanung weitere Ergänzungen hierzu geben. Bei diesen Maßnahmen muß immer auch berücksichtigt werden, dass sie auf die Strömung wirken und die Gerinneentwicklung beeinflussen. Ggf. werden weitere Strukturelemente erst dann eingebaut, wenn sich das neue Flussbett bereits etwas mehr ausgeformt hat.

Schließlich wird im Rahmen der Ausführungsplanung auch die Option bestehen, durch gezielte Pflanzungen den Zeitraum zu verkürzen, bis das Gewässer einen besseren Schutz durch uferbegleitende Gehölze erfährt. Die Möglichkeit der Durchführung nicht-letaler Vergrämungsmaßnahmen wird diskutiert.

Ein langjähriges Monitoring der Prädation und der Fischbestände soll eine Grundlage schaffen, um die Prozesse datenbasiert bewerten zu können.

Die Selbstreinigungskraft der Nister wird durch die Maßnahme erheblich zunehmen, weil der biologisch aktive Teil der Sohle (das sogenannte hyporheische Interstitial) deutlich besser durchflossen werden sollte und dadurch eine hohe biologische Aktivität zu erwarten ist. Allerdings werden auch gerade in der Zeit kurz nach der Maßnahmenumsetzung aus manchen Abschnitten der Nister Feinsedimente mobilisiert, die sich an anderen Stellen flussabwärts absetzen können. In anderen Bereichen des Plangebiets werden der Nister aber auch Feinsedimente entzogen. Mit zunehmender Ausformung des neuen Verlaufs wird sich aber ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Feinsedimenteintrag und -austrag einstellen.

Ja, im Rahmen des Projekts wird es ein umfangreiches begleitendes Monitoring zur Erfolgs- und Entwicklungskontrolle (ca. 10 -15 Jahre) geben. Es wird eine Voruntersuchung vor Beginn der Maßnahmenumsetzung sowie ein Folgemonitoring in regelmäßigen Abständen nach der Maßnahme erfolgen. Dabei wird mit Universitäten, regionalen Akteursgruppen, Ehrenamtlichen u.a. zusammengearbeitet um Ressourcen zu bündeln. Es werden die Effekte der Maßnahme auf unterschiedliche Tiere und Pflanzen, den Wasserrückhalt, Wassertemperatur, CO²-Bindung und ausgewertet. Hinweise, dass z.B. Vögel wie der Eisvogel oder Schwarzstorch aufgenommen werden sollten, nehmen wir gerne entgegen

Naherholung und Tourismus

Die Nisteraue hat eine hohe Bedeutung für Naherholung und Tourismus. Viele Menschen schätzen die Landschaft rund um Marienstatt und den Westerwaldsteig – dieses Erholungsangebot wird erhalten bleiben.

Mit der Wiederherstellung der Aue wird sich aus der heute überwiegend offenen Wiesenfläche schrittweise eine vielfältige Auenlandschaft mit unterschiedlichen Lebensräumen wie Stillgewässern, Auwald, Feuchtbereichen und einem strukturreichen Flusslauf entwickeln.

Um die Fläche weiterhin gut erlebbar zu machen, sind Informationsangebote, Exkursionen sowie Aussichtsmöglichkeiten vorgesehen. Die Wiesen werden das Landschaftsbild weniger, die Nister wird das Landschaftsbild deutlicher prägen. Der Fluß wird die Fläche gestalten, deutlich hör- und sichtbarer als heute.

Der Vorschlag würde zu einer erheblichen Einschränkung der fachlichen Zielsetzung und voraussichtlich zu Mehrkosten führen. 

Der Vorschlag sieht vor, Maßnahmen zur Renaturierung überwiegend in weniger einsehbaren Bereichen umzusetzen, um mögliche Beeinträchtigungen für die Naherholung zu vermeiden

Dieses Anliegen wird ernst genommen. Die Naherholung wird durch transparente Information und kontinuierliche Einbindung der Bevölkerung in der weiteren Ausgestaltung gefördert

Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten zeigen, dass sich naturnahe und zugleich attraktive Landschaften entwickeln, die gut erlebbar sind. Für die Erholung werden daher keine Einschränkungen erwartet; vielmehr bietet die Entwicklung der Aue die Chance, Naturprozesse sichtbar zu machen und aktiv mitzuerleben.

Durch gezielte gestalterische Maßnahmen, insbesondere in gut einsehbaren Bereichen (z. B. sichtbare Wasserflächen, Begrünung oder punktuelle Pflanzungen), kann das Landschaftserlebnis zusätzlich unterstützt werden, ohne die fachlichen Ziele zu beeinträchtigen.

Insgesamt wird eine Entwicklung hin zu einer naturnahen, vielfältigen und erlebbaren Landschaft erwartet, deren Mehrwert für Mensch und Natur transparent vermittelt und gemeinsam gestaltet werden soll.

Die Details können zur weiteren Prüfung des Vorschlags können hier nachgelesen werden.

Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven

Für das Renaturierungsprojekt werden zweckgebundene Fördermittel eingesetzt, die ausdrücklich für Maßnahmen im Natur- und Gewässerschutz vorgesehen sind. 

Diese Mittel können nicht für andere Bereiche wie Infrastruktur, Schulbau oder Gebäudesanierung verwendet werden. 

Die Renaturierung der Nisteraue ist ein Baustein im Gewässer, Natur- und Klimaschutz, der an dieser Stelle umgesetzt werden kann.

Das vorliegende Projekt hat den Vorteil, dass hier eine größere zusammenhängende Fläche im Landesbesitz entwickelt werden kann und die notwendigen Voraussetzungen für eine Umsetzung gegeben sind.

Solche Projekte ersetzen keine anderen Maßnahmen, sondern ergänzen sie. Langfristig sind viele unterschiedliche Ansätze erforderlich, um Natur und Landschaft zu stärken.

Hinweise auf weitere geeignete Flächen oder Handlungsbedarfe nehmen wir gerne auf und prüfen diese im jeweiligen Zuständigkeitsbereich.

Der Schutz der Umwelt und der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen sind sowohl Gegenstand des Grundgesetzes wie auch der Verfassung von Rheinland-Pfalz. Ein rechtlicher Rahmen von EU-, Bundes- und Landesgesetzen dienen dem Schutz der natürlichen Ressourcen, ihrem Erhalt und der Wiederherstellung. Maßnahmen zum Schutz von Natur und Gewässern dienen der Allgemeinheit. Sie tragen unter anderem dazu bei,

  • Lebensräume zu erhalten und zu entwickeln 
  • den Wasserhaushalt zu stabilisieren 
  • und langfristig Risiken, z. B. durch Hochwasser, zu reduzieren 

Investitionen in diesen Bereichen sind daher Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.

Die eingesetzten Mittel sind speziell für solche Zwecke vorgesehen und leisten einen Beitrag dazu, natürliche Funktionen langfristig zu sichern.

Für das Projekt ist eine Begleitung vorgesehen. Dazu gehört ein Monitoring über mehrere Jahre. Es sind Mittel eingeplant, um auf unerwünschte Entwicklungen reagieren zu können.

Die Finanzierung erfolgt über Förderprogramme mit klar definierten Zielen und festen Rahmenbedingungen, die unabhängig von von Bundes- oder Landesregierung Bestand haben. 

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz wird von der Bundesregierung verwaltet.