© SNU

© SNU

Warum sollen ausgerechnet diese zwei Bläulinge geschützt werden?

Die Tagfalterarten, Heller und Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, sind in Deutschland und in Rheinland-Pfalz als Verantwortungsarten gelistet. Das heißt hier findet sich ein internationales Schwerpunktvorkommen der Arten, weshalb es in der Verantwortung des Landes liegt, Maßnahmen zu ergreifen um die Arten zu schützen. Da die beiden Arten in Europa und in Rheinland-Pfalz als gefährdet oder stark gefährdet eingestuft sind, ist es dringend notwendig jetzt zu handeln und damit möchten wir in den ausgewählten Projektlandkreisen beginnen.

Die Bedeutung des Projekts geht jedoch über den reinen Schutz zweier gefährdeter Bläulinge hinaus. Ihr Zustand spiegelt die Verfassung einer ganzen Lebensgemeinschaft wieder, die durch eine intensivierte Grünlandbewirtschaftung gefährdet ist. Die Auswirkung dieser Veränderung macht sich bei den Bläulingen jedoch aufgrund ihrer hohen Spezialisierung in Abhängigkeit zu den Knotenameisen und dem Großen Wiesenknopf, deutlich früher bemerkbar, als das bei weniger anspruchsvollen Tier- und Pflanzenarten der Fall ist. Wenn man also die Bläulingsvorkommen wieder stabilisiert, kann man viele weitere Arten erhalten, was hinsichtlich des weltweiten Artensterbens von großer Bedeutung ist.

Wie genau soll das Projektziel erreicht werden?

Schritt 1: Die Arten finden

Ohne zu wissen, wo genau sich die Bläulinge befinden, kann man auch keine Schutzmaßnahmen umsetzen. Daher ist es eine wesentliche Aufgabe des Projektteams herauszufinden, wo die Arten aktuell vorkommen.

Im ersten Schritt wurde mithilfe von lokale Expert*innen und basierend auf ehemaligen Funden der Bläulinge und ihrer Wirtspflanze sowie potenziell geeigneten Lebensräumen für die Arten ein Projektsuchraum zusammengestellt. Dieser muss im Rahmen des Projektes kartiert werden, d.h. Flächen werden nach den Arten abgesucht und auf ihre Eignung hin bewertet.

Schritt 2: Den/die Bewirtschafter*in finden

Eignet sich eine Fläche, so muss im nächsten Schritt herausgefunden werden, wer sie bewirtschaftet. Ist das geglückt, kann gemeinsam mit dem/der Bewirtschafter*in über die weitere Nutzung der Fläche gesprochen werden. Sollte er/sie sich für eine bläulingsgerechte Bewirtschaftung interessieren folgt …

Schritt 3: Vorbereitungen für eine Wiederansiedlung durchführen (wenn nötig)

Manche Flächen verfügen zwar über ein hohes Potenzial den Wiesenknopf-Ameisenbläulingen einen Lebensraum zu bieten, können aufgrund ihres derzeitigen Zustands aber nicht von ihnen besiedelt werden.

Das sind beispielsweise brachgefallene Wiesen, also ehemalige Mähwiesen und Weiden, welche verbuscht, verfilzt oder mit Stauden bestanden sind. Ebenso sind das Flächen auf denen der Große Wiesenknopf zwar theoretisch vorkommen könnte, weil sie zum Beispiel seinen Lebensraumansprüchen an Feuchtigkeit und Klima entsprechen, er praktisch aber aufgrund einer bestimmten Bewirtschaftungsweise nicht (mehr) vorkommt.

Wenn diese Flächen in der Nähe von aktuellen Bläulingsvorkommen liegen, können diese durch von uns finanzierte Maßnahmen wieder in einen bläulingsgerechten Zustand gebracht werden, wenn der/die Eigentümer*in daran interessiert ist. Dazu zählen vor allem Entbuschen/Entfilzen und/oder die Wiederansiedlung des Großen Wiesenknopfs.

Schritt 4: Die Flächenbewirtschaftung anpassen

Eine an den Lebenszyklus der Falterarten angepasste Flächenbewirtschaftung ist standortabhängig. Generell sind folgende Punkte festgelegt:

BeschränkungBegründung

Keine Mahd/Beweidung im Zeitraum zwischen 01. Juni und 15. September

Vor der Flugzeit (Juli und August) benötigt der Wiesenknopf Zeit um Blüten auszubilden und nach der Flugzeit benötigen die Raupen Zeit die Blüten zu verlassen                                                                            
Keine Düngung

Der Wiesenknopf findet auf zu nährstoffreichen Wiesen keine guten Bedingungen; ggf. zu dichte Pflanzendecke für Wiesenknopf und Ameisen

Keine Pestizide/Pflanzenschutzmittel

Schädigung der Fauna
Viehbesatz und Beweidungsdauer außerhalb des Sommers müssen individuell angepasst werden                                              Ameisennester können durch starken Tritt geschädigt werden                                
Kein Befahren der Fläche bei andauernder Nässe, Staunässe und direkt nach StarkregenereignissenBodenverdichtung, schädlich für die Ameisen
Wenn möglich, Einsatz von Maschinen mit geringem Bodendruck Bodenverdichtung, schädlich für die Ameisen
Reduzierte Grünlandpflege (kein Abschleppen, kein Walzen, kein Striegeln)Bodenverdichtung und Umbruch können die Ameisennester schädigen                                                                                               
Bodenabstand bei der Mahd: mindestens 10 cm; kein MulchenEbenfalls zum Schutz der Ameisennester
Einjährige Brachen sind möglich, wo nur der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling vorkommtMehrjährige Brachen führen dazu, dass die Ameisen und der Wiesenknopf verschwinden, die Wirtsameise des Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläulings braucht etwas lückigere Strukturen und verschwindet schon bei frühen Brachestadien
Einsatz möglichst schonender Maschinen (kein Grashopper, besser Balkenmäher als Kreiselmäher)Eingriff in den Lebensraum der Wiese/Weide sollte so gering wie möglich sein um eine Veränderung der Artzusammensetzung zu vermeiden. Die Bodenoberfläche sollte so wenig wie möglich beschädigt werden.                                                                                                   
Schritt 5: Über das Projekt sprechen und die Bevölkerung mit einbinden

Das Artenschutzprojekt Wiesenknopf-Ameisenbläulinge hat das Ziel das Bewusstsein möglichst vieler Menschen für den Artenschutz im Rahmen von NATURA 2000 fördern. Insbesondere die beiden Falterarten, ihre sehr komplexe Lebensweise, Biodiversität im Grünland und Schutzmaßnahmen sind wichtige Themen, welche durch das Projekt vermittelt werden sollen.

Im Rahmen von Exkursionen zu den Projektflächen, Veranstaltungen sowie Vorträgen in Schulen soll über den Mehrwert des Projekts für die Natur und die Menschen informiert werden.

Darüber hinaus ist auch der Austausch mit anderen Projekten zum Bläulingsschutz geplant um ein (inter-)nationales Informationsnetzwerk aufzubauen in dem man Erfahrungen austauschen und voneinander lernen kann.